viennacontemporary – Zeitgenössische Kunst exklusiv erleben

Von der Kunst, Kunst richtig weiterzugeben

Kann Leidenschaft vererbt werden? Auf der viennacontemporary widmete sich die Podiumsdiskussion von LeitnerLaw Rechtsanwälte und LeitnerLeitner der Frage, wie Kunst weitergegeben werden kann, was Kunst eigentlich wert ist und welche Herausforderungen ein anstehender Generationenwechsel mit sich bringt.

Besonders freut uns, dass wir dafür die Rechtsanwältin und öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Kunst, Sasa Hanten-Schmidt gewinnen konnten. Mit der ausgewiesenen Expertin an der Schnittstelle Bewertung – Kunstsachverstand konnte einerseits fachlich exzellent und andererseits kurzweilig und unterhaltsam das Sammeln und Weitergeben von Kunst in größere Verständniszusammenhänge gestellt werden.

In Sammlungen (neben Kunst auch Instrumente, Oldtimer, Uhren etc) manifestiert sich die Persönlichkeit des Erblassers. Die Sammlerstücke werden aus emotionalen Gründen gekauft, der Sammler verbindet damit seine eigene Geschichte, seine eigene Leidenschaft. Die Leidenschaft selbst ist nicht vererbbar, denn persönliche Neigung ist höchst individuell. Entsprechend sind Sammlungsgegenstände kein Vermögensgegenstand wie jeder andere.

Dies führt zu besonderen Herausforderungen bei der Übergabe zwischen den Generationen. Die rechtlichen und steuerlichen Themen eines Generationenwechsels sind mit dem richtigen interdisziplinären Beraterteam gut zu meistern, wenn soziologische und psychologische Parameter erkannt und eingebunden werden.

Nachdem an einem Musterfall die Materie rechtlich und steuerlich mit internationalem Bezug von Nikola Leitner-Bommer und Matthias Hofstätter gemeinsam mit Sasa Hanten-Schmidt beleuchtet wurde, war das Highlight der Veranstaltung die exklusive Führung von Sasa Hanten-Schmidt über die viennacontemporary noch vor der Publikumsöffnung.

Die Expertin weihte uns in die „Geheimnisse“ der Kunstmärkte ein. Wie entstehen Werte auf dem Kunstmarkt (nämlich intersubjektiv auf dem Reputationsmarkt Kunst) und wie funktioniert eine Kunstmesse (als mehrstufige Auswahl und in Kojen, die weiß sind, um zu objektivieren), war zu lernen. Warum Erben oft kein Interesse an der Sammlung haben und was sie motivieren könnte bis hin zu Einsichten, warum Frauen häufiger testieren als Männer, wurde soziologisch fundiert doch stets mit einem Augenzwinkern verständlich gemacht.

Doch auch die Kunst kam nicht zu kurz. Sasa Hanten-Schmidt verschaffte den Gästen Zugang zu künstlerischen Gesamtwerken (Markus Huemer bei Philipp von Rosen), gab Einblick in aktuell diskutierte Positionen (Henrike Naumann bei KOW) und ganz nebenbei erläuterte sie die sachverständige Bewertungspraxis sehr plastisch (ein Schnelldurchlauf vom Entstehungsprozess mithilfe von Ebay ins Atelier, ins Museum, auf die Messe bis hin zu konservatorischen Fragen und schließlich zu Minderwert und Schaden). Kunsthistorisch bedeutende Positionen wurden verortet (Valie Export und Elaine Sturtevant bei Ropac) und die „must-haves des Herbstes“ vorgestellt (Polonca Lovšin bei P74: ausverkauft).

Der schönste Stand der Messe nach Ansicht der Expertin war Julian Turner bei Filiale: ein Gesamtkunstwerk mit allerlei kuriosen und klugen Referenzen.

Nach diesen vielschichtigen Einsichten in Kunst kann in Bezug auf den Generationsübergang als Fazit zusammengefasst werden, dass – anders als bei Geld – Kunst zu erben bedeutet, sich in den Dienst der Leidenschaft eines anderen zu stellen. Bei der Erbschaft von oft unstrukturierten Sammlungen bedarf es tatsächlicher, fachlicher und innerer Ressourcen. Eine rechtliche und steuerliche Lösung ist erreichbar, die Bedingungen für die Weitergabe von Kunst sind sogar günstig.

Messe ist ein Reputations-Marktplatz. Die viennacontemporary als Wiener Reputations-Marktplatz, auf dem der Wert der Kunst mitgestaltet wird, bildete den perfekten Rahmen für die Auseinandersetzung mit dem Thema „Kann man Leidenschaft vererben?“. Ein herzliches Dankeschön an Sasa Hanten-Schmidt für die Einblicke in die Thematik, die es uns ermöglichen, die Sensibilität für Kulturgut im Bestand zukünftig zu erhöhen.

ORT

Marx Halle
Karl-Farkas-Gasse 19
1030 Wien

www.viennacontemporary.at/de/

ZEIT

Fraitag, 27. September 2019
10.45 - 14.00 Uhr

Standorte

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