EU AI Act verpflichtet – wie weit sind Österreichs Unternehmen wirklich?
News – 19.11.2025

Mit dem Inkrafttreten des EU AI Act am 1. August 2024 gelten neue regulatorische Rahmenbedingungen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Europäischen Union. Auch österreichische Unternehmen stehen damit vor einer Reihe von umfassenden Pflichten – von Risiko-Klassifizierungen über Schulungsmaßnahmen bis hin zur ausführlichen Dokumentation. Zusätzlich müssen auch Vorgaben aus anderen Rechtsgebieten wie dem Datenschutz und dem Urheberrecht beachtet werden. Doch wie gut sind Unternehmen bereits darauf vorbereitet?
In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die zentralen Anforderungen, analysieren die aktuelle Situation in Österreich und geben praxisnahe Handlungsempfehlungen für den erfolgreichen Umgang mit den neuen Vorgaben.
Was ist der EU AI-Act?
Der AI-Act ist eine EU-Verordnung, die erstmals ein einheitliches Regelwerk für den Markt und den Einsatz von KI-Systemen in der EU schafft.
Zielsetzung ist es, den Schutz von Sicherheit, Grundrechten, demokratischen Werten, Transparenz und Verantwortlichkeit von KI-Systemen festzulegen und Innovation unter klaren Rahmenbedingungen zu fördern.
Der AI-Act folgt einem risikobasierten Ansatz: Je höher das Risiko eines KI-Systems, desto strenger die Anforderungen.
Welche Pflichten gelten für Unternehmen in Österreich?
Wichtige Übergangsfristen
- Der AI-Act trat am 1. August 2024 in Kraft.
- Seit 2. Februar 2025: Verbot von KI-Systemen mit „inakzeptablem Risiko“ sowie Pflicht zur Schulung der Mitarbeitenden.
- Seit 2. August 2025: Weitere Pflichten für KI-Systeme mit allgemeinem Verwendungszweck und Sanktionen.
- Ab 2. August 2026 (und bei manchen Hochrisiko-KI-Systemen ab 2027): Vollständige Anwendung aller übrigen Bestimmungen.
Risiko-Kategorisierung & Pflichten im Überblick
| Risikoklasse | Beispiele für Systeme | Hauptpflichten |
| Inakzeptables Risiko | Social-Scoring, Emotionserkennung am Arbeitsplatz | Verbot der Nutzung |
| Hochrisiko | KI-Systeme im Arbeitnehmermanagement, im Bereich kritischer Infrastrukturen etc | Dokumentation- und Meldepflicht, menschliche Aufsicht, ggf. Konformitätsbewertung |
| Begrenztes Risiko | Chatbots, KI zur Erstellung von Bild, Video etc | Transparenzpflichten: Nutzer wissen, dass KI im Spiel ist |
| Minimales Risiko | Spamfilter, einfache Spiele | Keine speziellen Pflichten |
Weitere wichtige Pflichten für Unternehmen
- Mitarbeiterschulungen und Qualifizierungsnachweise.
- Transparenzpflicht bei generativen KI-Systemen (zB Hinweis „KI-generiert“).
- Verknüpfung mit bestehenden Regelungen wie der DSGVO.
- Risiko analysieren und Governance-Struktur für KI im Unternehmen aufbauen.
Sanktionen bei Verstößen
Verstöße können empfindliche Strafen nach sich ziehen: Bis zu 35 Mio Euro oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes sind bei schweren Verstößen möglich. Bei leichteren Verstößen sind Sanktionen von bis zu 7,5 Mio Euro oder 1 % des Umsatzes vorgesehen.
Wie weit sind Österreichs Unternehmen wirklich?
In Österreich zeigt sich folgende Lage: Die österreichische Bundesregierung hat bereits einen KI-Umsetzungsplan vorgestellt, inklusive einer grundlegenden Struktur für KI-Governance. Fachbeiträge berichten, dass viele Unternehmen zwar das Thema „KI“ auf der Agenda haben, aber eine detaillierte Bestandsaufnahme, Risikoklassifizierung und Compliance-Prozesse in vielen Fällen noch fehlen. Gerade KMU stehen vor Herausforderungen: eingeschränkte Ressourcen, mangelnde interne sowie oft fehlende klare Prozesse für KI-Governance. Einige Unternehmen haben bereits begonnen, Schulungsprogramme für Mitarbeitende einzuführen, doch mangelt es oft noch an der Dokumentation und Integrationsprozessen für eine konsistente KI-Compliance. Viele Verpflichtungen bestehen bereits jetzt, weswegen viele Firmen die Notwendigkeit sehen, jetzt aktiv zu werden, statt weiter abzuwarten.
Insgesamt zeigt sich:
Es gibt bereits spürbare Fortschritte, doch bleibt der Handlungsbedarf groß.
Viele Unternehmen sind sensibilisiert, aber eine vollständige Umsetzung und
nachvollziehbare Dokumentation fehlen nach wie vor – besonders bei komplexeren,
risikoreichen KI-Systemen.
Praxisempfehlungen: So kommen Sie ins Tun
Schritt 1: Bestandsaufnahme
- Ermitteln Sie, welche KI-Systeme in Ihrem Unternehmen eingesetzt werden (intern & extern).
- Prüfen Sie: Wer ist Anbieter, wer Betreiber? Wer hat welche Rolle?
- Klassifizieren Sie die KI-Systeme nach Risiko („minimal“, „begrenztes Risiko“, „Hochrisiko“).
- Erstellen Sie eine Übersicht über Trainingsdaten, Datenherkunft, Nutzungszweck.
Schritt 2: Governance & Verantwortlichkeiten definieren
- Legen Sie Verantwortliche (zB KI-Compliance-Beauftragter oder KI-Governance-Team) fest.
- Verankern Sie KI-Richtlinien und Prozesse (zB wann KI eingesetzt werden darf und wie geprüft wird).
- Schaffen Sie eine Dokumentation und nehmen Sie Risikoabschätzungen vor.
Schritt 3: Mitarbeiterschulung & Kompetenzaufbau
- Entwickeln Sie Schulungsprogramme für Mitarbeitende, die KI-Tools nutzen oder beaufsichtigen.
- Dokumentieren Sie die Teilnahme und Inhalte der Schulungen.
- Sensibilisieren Sie alle relevanten Stakeholder: Entwicklungs-, Betriebs-, HR-, Compliance-Teams etc.
Schritt 4: Transparenz, Dokumentation & Monitoring
- Legen Sie für jedes KI-System fest: Zweck, Einsatzbereich, menschliche Aufsicht.
- Als Anbieter eines Hochrisiko-KI-Systems: Risikomanagement-Prozess etablieren, Konformitätsbewertung planen etc.
- Für generative KI: Kennzeichnen Sie Ausgaben als KI-generiert, wenn erforderlich.
- Integrieren Sie KI-Compliance in bestehende Datenschutz-, IT-Sicherheits- und Governance-Systeme.
Schritt 5: Umsetzung & kontinuierliche Anpassung
- Starten Sie jetzt. Die Übergangsfristen lassen wenig Spielraum und wesentliche Verpflichtungen bestehen bereits jetzt.
- Begleiten Sie Prozesse mit externen Expert:innen, wenn intern die Ressourcen fehlen.
- Nutzen Sie die Umsetzung als Chance: Vertrauenswürdige KI kann Wettbewerbsvorteil sein.
- Messen Sie den Fortschritt: Checklisten, Audits, Reviews.
Fazit
Der EU AI Act stellt einen Meilenstein in der Regulierung von künstlicher Intelligenz dar – mit weitreichenden Folgen für österreichische Unternehmen. Während die gesetzlichen Vorgaben klar sind und einige Übergangsfristen definiert wurden, besteht in der Praxis noch erheblicher Handlungsbedarf. Unternehmen, die frühzeitig KI-Governance aufbauen, Schulungen implementieren und Risiken systematisch managen, schaffen nicht nur Rechtssicherheit, sondern auch einen deutlichen Wettbewerbsvorteil.
Jetzt ist der Zeitpunkt, aktiv zu werden.
Kontaktieren Sie dazu unsere Expert:innen Simone Tober (LeitnerLaw Rechtsanwälte) und Michael Zeppelzauer (LeitnerLeitner).
Autor:innen
- Michael ZeppelzauerCertified Information Systems Auditor | Certified Internal Auditor | DirectorDetails zur Person
